Der Uebergang
27.08.2010 - 12:28

 

 

Was ist unsichtbar und stinkt nach Hase? Ein Kanichenfurz!

Alter Hut, Otto. Aber der, der ist neu: Was ist das? Furchtbare Monster, die die Dunkelheit lieben, menschlichen Ursprungs sind, aber übermenschliche Kräfte besitzen und sich vom Blut ihrer Opfer ernähren - genau: Ein Viral.

 

So heißen die Dinger nämlich im Roman "Der Übergang" von Justin Cronin. Des Unheils Quell mag nicht in Transsilvanien liegen sondern in einer militärischen Forschungseinrichtung mitten im Herzen der Vereinigten Staaten. Der Modus Operandi der unheilvollen Protagonisten erinnert aber schon ein wenig an die Hauptdarsteller all der anderen Bücher auf dem Markt, die sich momentan dem Vampir angenommen haben. Vampir, jetzt wo es doch ausgesprochen ist, lassen sich wunderbar die Unterschiede aufzeigen: Vor allem fehlt den Dingern jeglicher Sex-Appeal, sie haben einfach nur ein fieses Verlangen, den Rest der Menschheit, der 90 Jahre nach Ausbruch des Virus (aus eben dieser militärischen Einrichtung) noch über ist, zu verspeisen. So weit, so wenig originell.

 

Zu Beginn wird schnell die Quelle allen Übels aufgezeigt und anschließend genüsslich der Zerfall der Zivilisation ausgebreitet. Cronin präsentiert dies anhand der Erzählungen verschiedener Protagonisten zu unterschiedlichen Zeiten nach Ausbruch der Epidemie. Verbunden sind die Zeitebenen durch Amy – Amy, ein kleines Mädchen, das ebenfalls infiziert ist, wurde nicht zum Monster, ihr Schicksal ist es, langsam zu altern und die apokalyptische Landschaft zu durchstreifen...1000 Jahre lang, wohl lang genug für die auf drei Teile angelegte Serie.
Am Ende muss man aber zugeben, dass die Mad Max-mäßige Mischung aus Zombieelementen, Vampirmythos und Endzeitstimmung zumindest eins kann: Gut unterhalten. Und der Film, der sicher kommen wird, könnte dann die teilweise sehr langatmigen Strecken einfach überspringen.

 

Fazit: Lesen, sich unterhalten lassen, aber die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen.

Wenn man einen weißen Anzug trägt
20.05.2010 - 12:02

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Kennt ihr Max Goldt? Nicht wirklich? Solltet ihr aber. Denn der Typ hat´s in sich. Einmal sagte er diesen Satz: „Ich habe mich immer aufgefordert gefühlt, gerade den Tabu- oder Dämmerlichtzonen des menschlichen Miteinanders besonders präzise Anteilnahme zukommen zu lassen, und fühle mich da durchaus kompetent.“ Als Autor für diverse Titanic-Ausgaben weiß er, wie man sich Freunde macht. Im Jahr 2002 nun schrieb Max Goldt das Buch: „Wenn man einen weißen Anzug anhat. “Bei dem Versuch, diese beiden Aussprüche zusammenzubringen, wird das genannte Buch sehr hilfreich sein. Denn einen weißen Anzug anzuhaben, bedeutet nichts weiter, als den lieben langen Tag zumindest physisch rein gar nichts zu tun - damit der Anzug auch weiß, also fleckenlos, bleibt- aber dennoch mehr als die meisten anderen mitzukriegen, denn die Banalität und somit die Wahrheit des Alltags liegen doch schließlich im Detail. Und dort spürt Max Goldt sie auf. Dem Uneinsichtigen liefert Max Goldt zugleich noch eine Definition des erschwinglichen Glücks: „Wer Humor hat, hat Distanz zu sich selbst, kann sich von weitem sehen, ist dadurch gegen Wut und Hass zwar nicht gefeit, wird aber nicht von ihnen aufgefressen.“ Diese an Wissenschaftlichkeit angelehnte Methode ist mehr als typisch für Goldt, der seinen Leser nicht von einem Ulk zum nächsten zerrt, sondern seine Satire um das Gerüst einer sorgfältig analysierten aber dennoch subjektiven Realität aufbaut. In diesem Buch sind es die Erlebnisse innerhalb von ungefähr fünf Monaten, die der Leser Max Goldt in seinen tagebuchartigen Ausführungen verfolgen darf. Ob auf Lesetour, mit Freunden auf einem kurzen Ausflug in den Süden der Republik oder die eindrucksvolle Beschreibung von vielen Goldt´schen Umzügen. Mit ihm wird´s nie langweilig.

Raumschiff Titanic
08.03.2010 - 15:14

Buchtipp

Als Basis für dieses Buch diente das gleichnamige, von Douglas Adams und „The Digital Village“ erfundene Computerspiel. Da Adams allerdings mit der Spieleentwicklung mehr als beschäftigt war, ließ er das Buch von Terry Jones verfassen, der als Mitbegründer von Monty Python bekannt wurde. Die Geschichte beginnt mit einem im Wohnzimmer gestrandeten interstellaren Kreuzfahrtschiff namens - welch Wunder - Titanic. Heraus tritt eine Horde nicht ganz zurechnungsfähiger künstlicher Intelligenzen wie ein verwirrter Butlerbot, ein unfreundlicher Empfangsbot, ein sprachbegabter Barbot und neben vieler weiteren Verrückten eben auch ein Papagei. Die von ihnen besuchte Person muss nun also wohl oder übel mit ins All fliegen, um den Zentralcomputer „Titanic“ zu reparieren und damit für die eigene Heimreise zu sorgen. Erschwert wird die Arbeit durch eine tickende Zeitbombe, die sich allerdings immer wieder verzählt und für den gewissen Humor sorgt - Lesen/Lachen/Mitdenken.

Douglas Adams, Raumschiff Titanic, Goldmann Verlag, 7,95 Euro

Buchtipp

mg

Feiner saufen mit Frank Kelly Rich
10.02.2010 - 12:00

Buchtipp

Bereits der erste Satz des Buches weist auf ein bestehendes Problem hin und deutet das Versprechen an, die Lösung in den Händen zu halten: „Obwohl es Dutzende Bücher gibt, die Sie lehren, einen Drink zu mixen, gibt es erstaunlich wenige, die erklären können, wie es (dann) weitergeht,…“. Damit hat der Mann leider auch völlig Recht. Bereits mit ein wenig Erfahrung im Besetzen eines Barhockers und einem natürlichen Interesse an der Tätigkeit auf der anderen Seite des Tresens, lassen sich die zwei wichtigen Fraktionen eines vernünftigen Vollrausches definieren. Gibt es für die Gruppe der Produzenten noch eine schier unüberblickbare Vielfalt an Fachliteratur, um sie bei der Herstellung der Mixgetränke und dem Wissen um die Zutaten zu unterstützen, so ist der Konsument (fast) auf sich alleine gestellt. Selbstverständlich empfiehlt es sich auch für ihn, die Standardwerke der Barliteratur gelesen zu haben, allein um das Getränkeauswahlverfahren zu optimieren und das Gespür für den richtigen Stoff zu verfeinern, aber im Bereich der Getränkekonsumtheorie war er doch meist eher auf mündlich überliefertes Wissen angewiesen. Selbstverständlich, so mag manch einer sagen, gelten doch auch während des Zechens die üblichen Regeln des menschlichen Miteinanders und er hat auch völlig Recht zu glauben, dass die Regeln Über den Umgang mit Menschen, wie sie ursprünglich von Adolph Freiherr Knigge formuliert wurden, immer Gültigkeit besitzen, auch morgens um 5 auf dem Tresen der Lieblingsbar. Es geht in diesem Buch ja auch nicht darum, Regeln außer Kraft zu setzen. In Opposition zu den Auswüchsen des vergangenen Jahrtausends am Ballermann erklärt dieses Buch anschaulich, wie man mit Stil durch die Nacht (wahlweise kann diese bereits im Hellen beginnen) kommt, unterwegs eine gehörige Zahl an Promillen einsammelt und am Schluss erhobenen Hauptes durch irgendeine Wohnungstür fällt. Zu diesem Zweck ist das Buch in sechs Abschnitte gegliedert. Beschäftigt sich der erste Abschnitt noch mit den Grundregeln des Trinkens, sind bereits die beiden folgenden Abschnitte den Hauptakteuren des eigenen Rausches gewidmet: Personal und Lokation. Bar, Barkeeper und die Party bestimmen das Biotop des Säufers. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Überleben außerhalb diese Biotops. Alleine trinken, oft tabuisiert, diesem Thema nimmt sich Kelly an. Die beiden letzten, kürzeren Kapitel fünf und sechs beleuchten ein unangenehmes, nämlich den Umgang mit Vorwürfen, ablehnende Haltung gegenüber dem Alkoholkonsum und ein dem versierten Trinker geläufiges Thema, die Geschichte des Alkohols… und der Rolle, die die Menschen darin spielen. Fazit: Ein Muss für jeden, der ein besserer Trinker werden will. Frank Kelly Rich hat es geschafft, dieses unterhaltsame, von Anfang bis Ende humorgeladene Buch zu schreiben und dabei nie auf den von ihm selbst eingeforderten Stil zu verzichten.

Frank Kelly Rich, Die feine Art des Saufens, Tropen, 19,90 €

Buchtipp

sg